Kesselfleischessen im Vereinshaisl



Alter Brauch wiederbelebt 

 

 

Kesselfleischessen 09Zur Erhaltung und Förderung der Dorfkultur wurde in Haidenkofen am Samstag wieder ein mittlerweile bereits traditionelles Kesselfleischessen durchgeführt.

 

Früher, als die Hausschlachtungen noch in jedem dörflichen Haushalt vorgenommen wurden, war dies über Jahrhunderte hinweg ein Höhepunkt im ländlichen Leben, denn die Versorgung mit Fleisch wurde einzig und allein durch selbst aufgezogene Tiere (Schweine, Schafe, Geflügel usw.) gewährleistet. Metzgereien, in denen man Fleisch und Wurst kaufen konnte, waren auf dem flachen Land vor dem Krieg eher selten. Die Hausschlachtung war somit einer der Hauptbestandteile der Ernährungskette auf dem Lande.

 

Der Schlachttag war für die Familien so etwas wie ein Festtag. Bereits Tage zuvor wurde die Waschküche ordentlich gereinigt und aufgeräumt. Am Tage vor der Schlachtung bestellte man einen Fleischbeschauer, der die Lebendbeschau vornahm. Auch nach der Schlachtung kam dieser erneut ins Haus und überprüfte die inneren Organe auf sichtbare Krankheiten. Mit einem Mikroskop untersuchte er das Fleisch auf Trichinen. Erst wenn  alles in Ordnung war wurde das Schwein abgestempelt und somit freigegeben.

 

Das Fleisch der geschlachteten Tiere wurde ausschließlich im eigenen Haushalt verwendet. Ursprünglich fanden diese Schlachttage für den Eigenbedarf vorwiegend im Herbst und Winter statt. So mussten nicht alle Tiere im Winter gefüttert werden und das Fleisch war in der kalten Jahreszeit länger haltbar. Typisch war auch, dass neben dem Fleisch alle verwertbaren Teile genutzt und alles sofort weiterverarbeitet wurde. Fleisch, das nicht gleich verzehrt wurde, wurde durch Räuchern, Lufttrocknen oder Pökeln (Surfleisch in großen Zubern) konserviert. Das restliche Fleisch kam in den Fleischwolf und wurde zu Würsten verarbeitet.

 

Um diese in den letzten Jahren so gut wie ausgestorbene Art der "Selbstversorgung" nicht ganz in Vergessenheit geraten zu lassen,   heizten die Haidenkofener um Organisator Stephan Bayerschmidt und Karl Spitzer bereits um 7:00 Uhr früh den Ofen vor dem Vereinshaisl an, damit diese Spezialität pünktlich zur Mittagszeit fertig gegart war.

 

Fachgerecht zerteilte dann der gelernte Metzger Karl Spitzer die Schweineteile und richtete die verschiedenen Platten mit dem Kesselfleisch an. Köstlichkeiten, wie Bauchfleisch, Herz, Zunge und Innereien ließen sich die ca. 40 Gäste zusammen mit frischem Bauernbrot ausgiebig schmecken. Einige ältere Dorfbewohner bekamen das Essen auch nach Hause geliefert.

 

Nach der gemeinsamen Mahlzeit wurde aus verdauungstechnischen Gründen der eine oder andere Schnaps getrunken, denn schließlich handelte es sich um eine sehr fettreiche Nahrung.

 

Für Heiterkeit sorgte anschließend ein "Golddorfquiz", bei dem die Anwesenden ihr Wissen bezüglich des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" unter Beweis stellen mussten. Nur wer die kniffligen Fragen, die teilweise nicht ganz ernst gemeint waren, beantworten konnte, erlangte die Berechtigung zur Siegesfeier nach Amberg mitzufahren.

 

Am späten Nachmittag waren alle sichtlich zufrieden und traten nach ein paar geselligen Stunden, gut gesättigt, den Heimweg an.

 

Bericht vom 14.02.2010

 

 

 

Kesselfleischessen 09 

 

 Kesselfleischessen 09 

Kesselfleischessen 09

Kesselfleischessen 09

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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(eg)

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