Adventsfenster 2023



Bald ist Weihnachten  

 

Lichter und Kerzen

 

Eine Tasse Glühwein schlürfen, Plätzchen knabbern und gemeinsam die ersten Weihnachtslieder anstimmen. Die Idee hinter dem Adventsfenster ist, die Gemeinschaft zu stärken, Jung und Alt zusammenzubringen und für einander einen schönen Abend zu organisieren. Jeder Gastgeber entscheidet selbst, wie er den Abend an seinem Adventsfenstertag gestaltet und welche Verpflegung er den Besuchern anbietet. Alle Interessierte können kommen, man ist zu nichts verpflichtet.

 

Erstmals 2009 in Haidenkofen durchgeführt, richtet sich hier die Einladung an alle Dorfbewohner und ist die perfekte Veranstaltung in der Vorweihnachtszeit und eine liebgewonnene Tradition. Wie das bei Traditionen immer so ist, weiß irgendwann niemand mehr, woher sie ursprünglich kommen, was sie bedeuten und wann sie begonnen haben. Bei den  Adventsfenstern ist das allerdings anders, auch wenn das genaue Datum im Dunkeln liegt. Lt. Internet gibt es diesen noch sehr jungen Brauch seit den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Ursprünglich von Aargau in der Schweiz stammend, ist dieser in Teilen Deutschlands, Österreichs und Frankreichs bekannt und beliebt.

 

Eines ist allerdings überall gleich. Zu einem „gescheiten“ Adventsfenster gehören immer Lieder, etwas zum Anschauen, Lichter, Plätzchen und etwas zu trinken. Es wird vor dem geschmückten Fenster gemeinsam Zeit an der frischen Luft verbracht, erzählt, gegessen, getrunken und die Gemeinschaft gepflegt.

  

So auch in Haidenkofen, wo sich die Ortsbewohner bei Einbruch der Dunkelheit einmal jährlich im Dezember zum sog. „Fensterln“ verabreden. Mit Laternen und guter Stimmung machen sie sich vom Vereinshaisl auf den Weg durch das stille Dorf, vorbei an weihnachtlich geschmückten Häusern und Gärten.

 

Am vergangenen Freitag war es wieder soweit. Ganz in der Nähe des Ausgangpunktes befindet sich der Hof von Alexander und Katja Gerl. Schon von Weitem zeigte der helle Lichter- und Kerzenschein den Weg vor das Wohnhaus des landwirtschaftlichen Betriebs zum heurigen Adventsfenster. 

 

Seit geraumer Zeit liefen die Vorbereitungen bei den Gerls, fleißig wurden Plätzchen gebacken, Geschichten und Liedtexte ausgesucht. Am Freitag wurden  Tische aufgestellt  sowie der Hof mit Tannengrün und Kerzen adventlich dekoriert. Sehr zur Freude der Hausherrin hatte ihr Ehemann einen alten Pferdeschlitten hervorgeholt, der sich bereits seit 60 Jahren im Stadel auf einem Balken unter dem Dach befunden hat und jetzt, vorm Stall platziert für nostalgische Stimmung sorgte.

   

Pünktlich um 19:00 Uhr war alles fertig. Der Glühwein und die anderen Heißgetränke köchelten in großen Gefäßen, daneben brannten die mit Holz befeuerten Öfen vor sich hin.  Plätzchen, Brötchen, Tassen und Liederhefte lagen bereit als die Gäste in angenehm gespannter Erwartung den Hof betraten.

 

Der Hausherr hieß die Gäste mit einer launigen Begrüßung willkommen und öffnete das Adventsfenster, das liebevoll von seiner Ehefrau gestaltetet worden war und eine angenehme Wärme ausstrahlte.

 

Umrahmt wurde das Zusammenkommen mit einem Gedicht über die „staade Zeit“, vorgetragen von Alexander, und einer besinnlichen Geschichte von Katja - „Gedanken zu Weihnachten“ - sowie der „Geschichte vom kleinen Baumwollfaden“, vorgelesen von ihrer Nichte Annalena. Die Texte wurden untermalt von gemeinsam gesungenen Adventsliedern. Und wie könnte es anders sein: Ein Adventsgefühl stellt sich wie von selbst ein, wenn man im Halbdunkeln neben einem knisternden Holzofen steht, weihnachtliche Lieder singt und das Christkind höchstpersönlich Süßigkeiten verteilt. 

 

Nach dem besinnlichen Teil verbrachten die Gäste mit verschiedenen Leckereien, Glühwein und kalten Getränken noch schöne Stunden rund um die beheizten Stehtische, während die Kinder auf den aufgetürmten Schneehaufen tollten. 

 

Schön, dass sich trotz der immer weiter schrumpfenden Dorfbevölkerung jedes Jahr eine Familie bereit erklärt, diese Tradition fortzuführen – und die Haidenkofener so zahlreich daran teilnehmen. In einer Zeit, in der die Welt immer kälter und unpersönlicher wird und zwischenmenschlicher Kontakt zunehmend seltener eine wichtige Rolle spielt, ist es tröstlich, wenn Menschen innehalten und ein wenig zusammenrücken.

 

Beitrag vom 17.12.2023

 

 

 

 

 



(eg)

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