Frauenfrühstück 3/12
"Der Friede fängt zu Hause an"
Referentin begeisterte Besucherinnen
Gute Traditionen soll man fortsetzen! Deshalb lud der Frauentreff Haidenkofen wieder zu seinem jährlich stattfindenden Frauenfrühstück ein. Heuer konnte sogar ein kleines Jubiläum gefeiert werden, da diese Veranstaltung bereits zum fünften Mal angeboten wurde. Der Schulungsraum im Feuerwehrhaus war mit 60 Frauen bis auf den letzten Platz gefüllt, als Vorsitzende Eva Gerl die Begrüßung der Besucherinnen, die aus der weiteren und näheren Umgebung gekommen waren, sowie der Pressevertreterin Irmgard Neumann vornahm.
Nachdem man die Sektgläser auf ein gutes Gelingen des Vormittages erhoben hatte, wurde das reichhaltige Frühstücksbuffet eröffnet. Auch dieses Mal bewies das Frauentreffteam ein gutes Händchen bei der Auswahl an Kulinarischem. Vom Müsli über verschiedene Brote, Semmeln, selbst gemachte Marmeladen, Wurst- und Käseplatten, Kräuter- und Magerquark, gefüllte Eier oder köstliche Cocktailsalate bis hin zu Nussecken, Joghurt und Obstsalat. So wurde in vergnüglicher Runde ausgiebig gefrühstückt, wobei natürlich auch die Unterhaltung nicht zu kurz kam.
Zum zweiten Mal ist es der Vorsitzenden des Frauentreffs gelungen, die Straubinger Pfarrerin Elke von Winning für das anschließende Referat zu verpflichten. Hatte sie doch bereits bei ihrem ersten Vortrag in Haidenkofen mit dem Thema "Depressionen" die Zuhörerinnen in ihren Bann gezogen, so sprach Elke von Winnig den Frauen auch dieses Mal aus dem Herzen, mit dem Thema "Der Friede fängt zu Hause an".
Die Referentin gab eingangs zu bedenken, dass es auf der Welt immer noch 35 Länder gebe, in denen Krieg herrsche. So gesehen wüsste die Bevölkerung Deutschlands gar nicht wie gut es ihr gehe, die in Frieden und Freiheit leben dürfe. Frieden sei das Recht auf körperliche Unversehrtheit, und Friede fange in den zwischenmenschlichen Beziehungen an. Frieden sei als Anliegen der öffentlichen Verantwortung der Christen ernst zu nehmen und darüber hinaus eine ökumenische Aufgabe. Als Beispiel nannte sie das Friedenslicht aus Bethlehem, das jedes Jahr zur Weihnachtszeit in die Welt getragen werden könne. Schon deshalb, weil es wunderbar sei, dass es überhaupt aus Bethlehem heraus gelange könne. "Bei uns sind die Mauern gefallen, leider werden sie woanders aufgebaut", bedauerte sie im Hinblick auf den Nahen Osten. Gleichzeitig erinnerte sie an die großen Friedensprediger Mahatma Gandhi und Martin Luther King, die sich immer wieder für den Frieden einsetzten und Gewaltlosigkeit gelehrt und gelebt hätten und durch Gewalt ums Leben gekommen seien.
"Warum tun sich die Menschen mit dem Frieden so schwer?", hinterfragte von Winning. "Frieden wollen alle Menschen und jeder ist dafür, aber warum gehen Menschen gegen andere vor? Woher kommt die Ursache für den Unfrieden in uns?" Dieser hänge wahrscheinlich mit Unzufriedenheit zusammen. Deshalb gab die Referentin den guten Ratschlag, dass sich die Frauen nicht mit anderen Frauen vergleichen sollen. "Perfektionismus macht unfrei", warnte sie. Auch das Streben nach immer mehr, immer schneller, weiter, höher, bringe nichts, außer Unzufriedenheit, warnte die Referentin.
So komme Unfrieden, den wir an andere weitergeben, oftmals von einer tiefen inneren Unzufriedenheit und vergifte unser ganzes Leben. Unfrieden führt zu körperlichen und seelischen Verspannungen. Tief in sich tragen die Menschen die Sehnsucht nach Frieden, nach einem Heilsein und nach Freude, jedoch falle es den meisten schwer, das zu leben. Meist liege die Wurzel des Unfriedens in einem selbst begründet. Ärger, Unzufriedenheit, Druck, Neid, Vergleiche, Enttäuschungen und schwierige Lebenssituationen wie Krankheit oder Scheidung können ein Auslöser dafür sein. Ihrer Überzeugung nach würden die Menschen mit ihrer Grundhaltung ausstrahlen, ob sie mit dem was sie sind, zufrieden seien. Der Beitrag für eine gelingende Lebenssituation sei die Kunst "Ja" zu sagen zu dem wie man sei. Ein dauerndes Auflehnen und anders sein wollen brauche sehr viel Kraft und verursache höchstens Magengeschwüre. Die Grundhaltung, die uns lebt, bestimme über das Denken und Tun. Wer eine negative Lebensgrundstimmung hat, in dem könne kein Frieden wohnen. Wenn unsere Grundstimmung also von Unzufriedenheit, Neid und Vergleichen mit anderen geprägt ist, dann spiegeln wir das unseren Kindern mit ihren feinen atmosphärischen Antennen wider. Wenn wir aber ausgeglichen sind und gut mit der Situation umgehen, dann spiegelt sich das auch in unserer Umgebung wider. "Wir können nicht die anderen verändern, sondern nur uns selbst und das wiederum nur mit Gottes Hilfe", bekannte die Vortragende.
Missgunst, Neid, Nörgelei und Manipulation würden jede Beziehung zerstören, da in all diesen Haltungen ein Stück Ablehnung der anderen Person stecke. Durch die Art und Weise des Umgangs mit dem Partner werde ihm vermittelt, dass er nicht in Ordnung ist, so wie er ist. Das wiederum fördere, dass der Andere sich zurückzieht und dann fühle man sich außer unzufrieden auch noch einsam und missverstanden. Jeder müsse "Ja" sagen zu dem Menschen, den er sich als Partner ausgesucht habe, weil dieser auch "Ja" sagen müsse. Auf dem Weg zum eigenen inneren Frieden stehe ganz entscheidend das Ja-Sagen zur Situation, in der man augenblicklich lebe, ob zu den Lebensumständen, zur Kinderzahl, zum Singledasein, zur Witwenschaft, also einfach zum Leben.
Es sei wirklich eine Lebenskunst, friedlich mit sich selbst und den anderen zu leben, räumte sie ein. Ganz besonders schlimm erachtet sie dieses latente Jammern in Deutschland, das Unzufriedenheit erzeuge, obwohl wir doch im Paradies leben. Entscheidend sei, dass positive Kritik weitergegeben werde und nicht Gemecker und Vorwürfe, denn damit werde niemand aufgebaut, und auch der friedliche Umgang miteinander werde nicht gefördert. So ist es gut, dass bei Gott nichts unmöglich ist. Er ist bereit, uns aus diesem Teufelskreis der Unzufriedenheit, Nörgelei und Missgunst durch Vergebung zu befreien. "Diese einmalige Chance sollten wir nutzen, damit der Frieden bei uns wachsen kann."
Noch etwas sei vor allem für die Mütter im Blick auf ihre Kinder wichtig: Zu jedem ihrer Kinder JA sagen, zu seinem Aussehen, Temperament und Begabungen, besonders auch dann, wenn das Kind völlig anders ist als man selbst. "Gott will, dass wir unsere Kinder so annehmen, wie sie sind, wie er sie geschaffen hat, als unverwechselbare Originale", stellte von Winning fest.
"Es muss uns Frauen klar sein, dass wir den Großteil der Familienatmosphäre zu Hause bestimmen, deshalb jagt dem Frieden regelrecht nach", appellierte sie. Doch was tun, wenn der Streitteufel zugeschlagen habe, die Fetzen fliegen oder am Mittagstisch eher das sprachliche Chaos regiert als eine angenehme Unterhaltung. Manchmal genüge eine Ermahnung, ein anderes Mal werde der Störenfried des Tisches verwiesen und wandert ohne Essen auf sein Zimmer, wo er dann die Möglichkeit hat, erst einmal abzukühlen. Elke von Winning räumte ein, dass den Frieden zu Hause zu leben eine echte Herausforderung sei. Diese Herausforderung gelte es anzunehmen, auch mit der nötigen Eigendisziplin, was die eigene Sprache angehe.
Frieden sei nicht einfach da, er müsse erworben werden. In einer Gruppe müsse man sich auf klare Grundsätze einigen, um in Frieden miteinander leben zu können. Dies bedürfe Arbeit und Anstrengung. Kein Wunder, dass die Friedensverhandlungen zwischen zerstrittenen und verfeindeten Ländern so viel Zeit in Anspruch nehmen und so viel Kraft kosten. Friede ist ein geschützter Bereich, in dem sich freie Menschen aufhalten und einander freundschaftlich begegnen. Diesen Bereich muss man verteidigen, ihn sozusagen einfrieden. "Für Christen bedeute die Vergebung einen Weg zum Frieden." So stelle das Beichtsakrament eine gewisse geistliche Müllabfuhr dar, die in Anspruch genommen werden solle. Anschließend sei Frieden möglich. Ein Frieden, der zugleich Wohlklang, Wohlbefinden, Zufriedenheit, Freiheit, Liebe und Glück bedeutet, wenn wir ihn uns von Gott schenken lassen. "Fürchtet euch nicht, denn Gottes Friede sei mit euch", bekräftigte die Elke von Winning.
Abschließend bedankte sich Vorsitzende Eva Gerl zusammen mit ihrer Stellvertreterin Sabine Lück bei der Referentin mit einem Präsent für den lehrreichen Vortrag sowie bei allen Helferinnen des Frauentreffteams für die tatkräftige Unterstützung bei der umfangreichen Vorbereitung dieses erneut rundum gelungenen Frauenfrühstücks.
Beitrag vom 08.03.2011

