Geschichte von Haidenkofen



 Alte Karte von Haidenkofen und Umgebung
 Haidenkofen nach einer Karte von Philipp Apian, 1568

Haidenkofen, am Südrand der Donauebene, des "Thungaues" gelegen, ist wie der Name schon sagt, ein Ort, der sicherlich in der Zeit der bajuwarischen Dorfgründungen entstanden ist. Die Laber, die östlich am Ort vorbeifließt, wird auf der rechten Flussseite von saftigen Wiesen und Weiden und linksseitig von fruchtbaren Feldern begleitet, ideale Voraussetzungen für eine Ansiedlung.
Die Namensendung "-kofen" deutet  auf eine  frühe Besiedlung der Region hin: Orte, die diese Silben im Namen tragen, entstanden zumeist in der zweiten Siedlungsperiode zwischen 650 und 800 n.Chr. Ein alter Landadel, "die Haidenkofer" bestimmte hier die Geschicke des Dorfes von 1095 - 1333. Die "Haidenkofer" sind in dieser Zeit häufig in Urkunden zu finden, zumeist als Zeugen und Bürgen in Schenkungsurkunden.
So verdient eine Urkunde von 1275  Beachtung, die einen Gebhardus de Heitenkofen zusammen mit dem herzoglichen Truchseß (Vorsteher der fürstlichen Hofhaltung) Ulrich dem Jüngeren (von Eggmühl bzw. Heilsberg) 1) als milites, somit offenbar als Ritter zu erkennen gibt. Die Anführung des Gebhard von Haidenkofen an vorderer Stelle der weltlichen Herrn, müßte auf eine gehobene Funktion hinweisen. Sollte mit dem in einer Urkunde von 1308 genannten Hüttenkofen Haidenkofen gemeint sein unterstand der Ort bis zu diesem Jahr den Truchsessen und ging dann zweitweilig in den Besitz des Regensburger Domkapitels über. Lt. dieser Urkunde verkaufte Truchsess Ulrich von Heilsberg am 27.11.1308 für 133 Pfund Pfennige an das Domkapitel. Er gibt also sein ganzes Dorf Haidenkofen (oder sein ganzes Landgut  in Haidenkofen?) samt seinem dortigen "größeren" Hof mit Grund sowie die Niedergerichtsbarkeit über den Ort ab.
Ein "Chunrat der Heytenchover, Albrechts des Heytenchovaers bruder", erklärt sich 1329 zusammen mit weiteren Personen zur Beendigung einer gegen die Regensburger gerichteten Fehde bereit, in deren Verlauf mehrere Mitstreiter (u.a. auch Albrecht der Haidenkofer) bei Pentling getötet worden waren.
Etwa 250 m östlich der von Süden in den Ort Haidenkofen führenden Brücke über die "Hartlaber" den südlichen Nebenarm der Großen Laber, muss früher ein mittelalterlicher Turmhügel gestanden haben (s. Bild 1 u. 2). Die kleine, heute völlig verebnete Anlage ist nur noch im Luftbild andeutungsweise zu erkennen. Der Haidenkofener Burgstall liegt an einer alten Flussschleife in der von Großer Laber und Hartlaber geformten Niederung, über deren Südrand die sogenannte "Ochsenstraße" entlangläuft, eine im Mittelalter wichtige Altstraße.
Im Jahre 1342 verkauft der Regensburger Bürger Friedrich der Löbel 2) seine Mühle zu Haidenkofen an der Laber gelegen. Der Lagebeschreibung nach könnte das genannte "Haus" immerhin mit dem Turmhügel zu tun haben. All dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß es keine gesicherte Datierungsgrundlage für den Turmhügel gibt.

Auch in einer Schuldverschreibungsurkunde  wurde ein Ort namens Heuttenkoven bereits 1532 erwähnt.

 

 

Abb. 1: Ausschnitt aus der TK 7140 mit Legekennzeichnung des einstigen Turmhügels bei Haidenkofen. Die Karte gibt den Flußverlauf vor der Begradigung wieder.

 

Abb. 2: Luftbild v. 28.10.87 freigeg. durch die Reg. von Obb. Nr. GS 300/9065-82) mit zusätzlicher Markierung des Turmhügels (Nr. 1), einer ehemaligen Flußschleife (Nr. 2), zweier Altwege (Nr. 3 u. 4) und unbestimmbarer Objekte (Nr. 5).

 

Die Ochsenstraße war bei den Römern, und vielleicht auch schon bei den Kelten, eine wichtige Verbindungsstraße von Ingolstadt nach Straubing bis Passau. Im ausgehenden Mittelalter erhielt die Straße ihre jetzige Benennung. Ursache war der nachweislich stattgefundene Viehtrieb aus Ungarn über diese Straße, um die bayrischen Städte mit Schlachtvieh zu versorgen. Der sicherlich relativ alte Laberübergang befindet sich an der zweifellos günstigsten Stelle, da der Fluss sich schon in zwei etwa gleich breite Arme geteilt hat, diese aber hier in geringstem Abstand nebeneinander liegen. Von der Ochsenstraße führen sowohl schräg verlaufende Altwege zum Flussübergang als auch eine direkte Verbindung, deren Verlängerung in südöstliche Richtung auf Geiselhöring zielt. Haidenkofen besaß bereits im mittelalterlichen Verkehrsnetz eine vielfach höhere Bedeutung als heute. Der wichtige Übergang über die Laber war von der kleinen Niederungsburg aus bestens zu kontrollieren. 3)


Im 30-jährigen Krieg hatte Haidenkofen schwer zu leiden. Es ist allgemein bekannt, dass in den Jahren 1633 und  1634 dieses Gebiet durch die einfallenden schwedischen Truppen stark heimgesucht wurde. Die Eintragungen im Sterbebuch der Pfarrei Sünching zeugen von den verheerenden Kriegswirren dieser Zeit. Die Sünchinger Pfarrbücher setzten ihre Einschreibungen auch während des Schwedenkrieges und der darauffolgenden Pestzeit fort. Die Pest brach am 22. September 1627 in Haidenkofen aus und grasierte bis zum 2.11.1627; weswegen auch die Verstorbenen dieses Dorfes nicht mehr in ihrem Pfarrfriedhof zu Sünching beerdigt werden durften, sondern anfangs in Haidenkofen neben der Kirche, später auf dem sogenannten Pestacker. Dieser Acker liegt auf dem Weg von Haidenkofen nach Aufhausen auf der rechten Seite und wurde später mit einer Martersäule gekennzeichnet. Aus dem Todenbuch ersieht man auch deutlich, dass Haidenkofen wegen der Pest gesperrt war. Es herrschte auch die Sage, dass zwischen Haidenkofen und Sünching ein Platz mit einer Säule stand. Hier war festgesetzt, wie weit die Haidenkofer sich dem Dorfe Sünching nähern durfen und wohin die Sünchinger den Haidenkofenern Speis und Trank gebracht haben sollten. 4)
Nach der Entstehung der Hofmarken im frühen 14. Jahrhundert gehörte Haidenkofen gerichtsmäßig zur Hofmark Sünching, das 1762 zu einem Herrschaftsgericht erhoben wurde. Alle Höfe in Haidenkofen waren bis 1802/03, bzw. bis 1848, Lehenhöfe, das heißt, dass der Grund und Boden einem kirchlichen oder einem weltlichen Herrn gehörte.
Durch das Erbrecht, das die meisten Haidenkofer Höfe besaßen, konnten die Höfe weiter vererbt werden. Bei jedem Besitzerwechsel musste der abtretende und auch der neue Hofbesitzer das Laudemium entrichten, das jeweils 5 % vom festgesetzten Einheitswert betrug. Daneben waren noch die Stift (Pacht), der Kleinzehent (Blutzehent oder Kucheldienst wie Hühner, Enten, Gänse, Eier), die Vogtei (Abgabe für die Verwaltung, bzw. für das Gerichtswesen), das Scharwerksgeld (der unentgeltliche oder nur gering belohnte Frondienst), der Jagdfrondienst und die Steuer zu entrichten. In Kriegszeiten kamen nochmals Belastungen in Form von Fourageleistungen als Sach- oder Geldleistung dazu.
Die Steuer wurde nach dem Hoffuß bestimmt. Ein großer Hof hatte den Hoffuß 1/1, dann kam der 3/4, der 1/2, der 1/4, der 1/8, der 1/16 Hof usw. Eine leere Hofstelle, ohne Grund und Boden, die Behausung eines Tagwerkers, hatte den Hoffuß 1/32 oder 1/64.
Grundherren in Haidenkofen im Jahr 1716: Vier 1/1 Höfe, auch ganze Höfe genannt, und das Wirtshaus, das ebenfalls ein ganzer Hof war, befanden sich zu dieser Zeit in Haidenkofen. Dies waren:
Wirtshaus und Hof (Gerl) waren grundbar zur Herrschaft Sünching, ein Hof (Altweck) grundbar zur Herrschaft Kronwinkel, ein Hof (Bartlmee Lermer) grundbar zu St. Paul, Soc. Jesu, -Jesuiten- in Regensburg, ein Hof (Michael Altweck), grundbar zur Alten Kapelle Regensburg.
Die weiteren 14 Höfe sind als "Sölden" bezeichnet, die den Hoffuß 1/16 hatten, darunter eine Sölde, die dem Herrn Pfarrer von Sünching gehörte, und eine Sölde, die zum Katharinen Spital in Regensburg grundbar war. Die restlichen Sölden waren zur Herrschaft Sünching grundbar, davon sind zwei als Brandstätten ausgewiesen, wohl aus der Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714), der auch Haidenkofen nicht verschonte. Ein Schmied und ein Schuster bewirtschafteten ebenfalls jeweils eine Sölde.

Mitte des 18.Jahrhunderts wurde Haidenkofen erneut zu einem wichtigen Straßenknotenpunkt von überregionaler Bedeutung, da sich hier zwei große Verkehrswege rechtwinklich kreuzten. Zum einem die von Westen nach Osten führende "Ochsenstraße" Ingolstadt-Straubing-Passau und zum anderen eine als "Salzburger Route" bezeichneten Straße Regensburg-Landshut-München, welche von Köfering über Langenerling-Hinkofen kommend, sich über Geiselhöring-Mengkofen-Frontenhausen fortsetzend, bis nach Neumarkt führte und sich durch das als „Hinterland“ bezeichnete Zwischengebiet zog (siehe Reiseatlas von 1796). Diese Straße war ein in beiden Richtungen stark frequentierter Verkehrsweg, der seiner Bedeutung wegen sogar mit Stundensäulen, welche ein Vorläufer der heutigen Kilometersteine waren, markiert wurde.
Es waren in damaligen Wegkarten alle Gaststätten, damals so genannte Tafernwirtschaften, vermerkt, die den Reisenden Unterkunft und Verpflegung für Mann und Ross bieten konnten, was für Haidenkofen im Besonderen zutraf, da sich neben der erwähnten Tafernwirtschaft auch noch die Dorfschmiede und Pferdeschwemme befanden.
Die Fahrstrecken waren damals so eingeteilt, dass bei Einbruch der Dunkelheit eine Raststätte mit Unterkunft, Verpflegung und Fremdenstallungen erreicht werden konnte, was alle Reisenden und Fuhrleute aus Ingolstadt, die diese kürzeste Verbindung zum Gäuboden nutzten, veranlasste, ihre letzte Rast in Haidenkofen zu halten.
Die Tafernwirtschaft in Haidenkofen ist bereits seit 1560 nachweisbar. 5)

Reiseführer

Reiseführer aus dem Jahre 1796

Wegbeschreibung der "Salzburger Route" von Neumarkt nach Dingolfing über Haidenkofen sowie Kreuzung  Ochsenstraße - Salzburger Route.

1)  Eggmühl war Stammsitz einer Familie herzöglicher Truchsessen
2) Dieser Besitz - oder ein Teil davon - war 1315 an die Familie Löbel gekommen, als Ruger der Löbel für 14 Pfund Pfennige von  Ulrich von Haidenkofen  dessen Eigen zu            Heytenchofen kaufte.
3) Burgen im Süden der Oberpfalz, Andreas Boos, Universitätsverlag
4) Schlossarchiv Sünching Nr. 1490
5) Josef Gstettner, Haimbuch, Gemeinde Mötzing

 

 

 



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